Seminar-Wochenende in Bayern

- Eigentlich unbeschreiblich -

Samstag, 24.03.2018, es war 3.50 Uhr morgens, ich war wach. Der Wecker klingelte zehn Minuten später. Okay, passte irgendwie. Kaffeemaschine an, ab ins Bad. Um 6.40 Uhr würde der Flieger nach Stuttgart gehen. Irgendwie war ich noch müde, kein Wunder bei der Uhrzeit, auf der anderen Seite aber auch positiv aufgeregt. Ich war noch nie zu Besuch in Bayern. Schon vorab hatte mir die Seminarorganisatorin Nina Vorfreude auf dieses Seminar gemacht. Es klingelte vor ein paar Tagen an der Tür, der Paketbote brachte ein Päckchen. Drinnen war ein Wörterbuch, damit ich auch alle verstehen würde. Stimmt, bayerisch war eine Fremdsprache für uns Norddeutsche, schwäbisch auch.  Nina und Basti waren die Hundeeltern von Liesl, einer italienischen Strassenhündin, an deren Übernahme ich als Tierkommunikatorin vor circa vier Jahren beteiligt war. Sie wollte gerne mit den beiden nach Deutschland. Warum, erfuhren wir aber erst später, als sie hier in Deutschland in Sicherheit war. Sie war zu der Zeit trächtig mit neun Hundewelpen. Vier der Welpenhalter waren auch zum Seminar angemeldet. Total spannend, wie ich fand.

Aber wieder zurück auf Anfang. Kurz vor 5 Uhr brachte Stefan mich zum Flughafen. Der Flieger startete dann pünktlich um 6.40 Uhr. Der Versuch, noch einmal beim Flug ein Stündchen zu schlafen, wurde von zwei kleinen Kindern, ein paar Reihen vor mir vereitelt. Eine leicht überforderte Mutter gab nach zehn Minuten auf und lies die beiden Mädchen dann einfach mal schreien. Okay, was solls.... Landen taten wir dann auch pünktlich und den Fernbusbahnhof fand ich auch sofort, nachdem mich ein älterer Taxifahrer mit Händen und Füßen hindirigierte. Die Anzeigentafel zeigte an, dass der nächste Bus erst 11.30 Uhr nach Ulm fahren würde. Dort musste ich hin, um abgeholt zu werden. Leicht gefrustet ging ich zurück, rüber in die Ankunftshalle des Flughafens und bestellte mir einen Kaffee. Stefan, mit dem ich zwischenzeitlich telefonierte, hatte sich an den PC gesetzt und gegoogelt, telefonierte mit dem Flixbus-Service und rief mich dann zurück. "Los, schnell wieder rüber zum Busbahnhof, da fährt gleich ein Bus nach Ulm." Schnell, hm... naja, Köfferchen in der Hand, Müdigkeit im ganzen Körper spürbar, Bandscheibenvorfall, der mir den Flug noch nicht verziehen hatte, aber ich gab alles. Da stand er, Ulm stand vorne auch drauf, Endstation Zagreb. Zagreb ist Kroatien schoss es mir leicht panisch durch den Kopf. Ich sprach den Busfahrer an: "Fahren Sie nach Ulm?" "Ulm, da da", kam es zurück. Oh je, er sprach nicht mal deutsch. Na gut, rein da. Neunundneunzig Prozent Kroaten, ein, zwei Deutsche. Neben mir saß eine junge Frau mit einer offenen Tüte Paprikachips, schräg vor mir ein Mann mit einer offenen Dose Whiskey. Der Geruch dieser Mischung durchwühlte meinen Magen. Als der kroatische Whiskeytrinker dann auch noch bei einem Strassenhubbel den Inhalt der Dose im Bus verteilte, erinnerte mich das Magengefühl an meine Kindheit. Ich musste ständig mit meiner Mutter nach Hamburg zu meiner Oma mit dem Zug fahren. Circa zwei Stunden waren wir da unterwegs und ich konnte kein Zugfahren vertragen. Der erste Mülleimer beim Öffnen der Bahntür war immer meiner, und ich musste regelmäßig spucken. Die Erinnerung half nicht gerade. Ich riss mich zusammen, stopfte der Übelkeit schnell einen Pfefferminzbonbon entgegen. Eineinhalb Stunden später kamen wir an einer Ausfahrt nach Ulm vorbei. Aber eben nur vorbei. Naja, dachte ich, Zagreb um diese Jahreszeit muss ja auch schön sein. Zweite Abfahrt Ulm, der Bus fuhr rechts rüber. Ja, er bog ab. Schnell eine Handynachricht an Nina, damit Sie Bescheid wussten.

Wieder zwanzig Minuten später hielt der Bus an. Also wenn ich jetzt diesen Geruch von Whiskey und Paprikachips an mir hatte, würden sie ja gleich denken, dass die Norddeutsche noch in der Kneipe war. Oh man, wie peinlich. Bevor ich mich weiter in solche Gedanken steigern konnte, hielt neben mir ein Auto mit einem jungen Mann und einer jungen Frau. Basti war da, nebenbei seine Schwester Julia, die auch am Seminar teilnehmen würde.

Er stieg sofort aus, war total freundlich, nahm mir die Sachen ab, verfrachtete die Schwester auf den Rücksitz und los gings. Schon nach zwei Minuten Fahrt hatte ich das Gefühl des Wohlfühlens. Er war lustig, frech, amüsant und aufmerksam. Ich musste an meine Söhne denken. Gleiches Baujahr wie einer von ihnen war er auch noch. Meine Freude aufs Seminar stieg. Wir überfuhren die Ländergrenze von Baden Württemberg nach Bayern. Das vierte Bundesland für mich innerhalb eines halben Tages. Basti brachte mich dann zu meiner Unterkunft, wo ich mich noch etwas ausruhen wollte. Ein uriges Gasthaus. Ich bekam dort erst mal einen Kaffee, Basti verabschiedete sich, aber nicht, ohne der Frau am Tresen noch etwas zuzurufen: "Das Sie die Dame hier auch gut behandeln." Ich musste schmunzeln, wie toll ich hier bekümmert wurde. Mein Zimmer war ein kleiner Raum mit einem Bett, einem Schreibtisch, einem Stuhl und einem Wandschrank. Dann noch ein kleiner Extraraum, das Bad. Es war alles vollkommen okay. 12 Uhr war es so circa, meine Kraft lies etwas nach, denn um 4 Uhr aufstehen war nicht ganz so meine Zeit. Ich telefonierte mit Stefan und freute mich, dass er so mitgedacht hatte und mir erzählte, er hätte mir Traubenzucker eingepackt. Eine große Packung fand ich im Gepäck, genau wie auch ein paar kleine Stücke Marzipan. Oh, ich war ihm so dankbar. Ich aß ein paar Stücke Marzipan und auch Traubenzucker und trank die Flasche Wasser, die zur Begrüßung auf dem Tisch stand. Dann war es schon an der Zeit zum Abholen rauszugehen.

Wir kamen bei einer alten Schule an, wo ein Raum für uns zur Verfügung stand. Mir wurde die Autotür aufgehalten. Ich glaube, hier wären meine Söhne jetzt raus gewesen, obwohl ich sie zur Höflichkeit erzogen hatte. "Geh Du vorweg, das ist Dein persönlicher Auftritt", sagte Basti. Der Erfolgsdruck wurde etwas stärker, auf wen oder was warteten sie denn hier? Ich sah alle Teilnehmerinnen, einen riesigen Tisch mit den unterschiedlichsten Teesorten, Kaffee, Kaltgetränke, Salat, Kuchen, Kekse, Süßes, Obstschale und und und. War ich hier richtig? Drei der Teilnehmerinnen kannte ich per E-Mail. Ich wurde begrüßt und umarmt. In der Mitte des großen Raumes war ein Kreis aus Stühlen aufgebaut, jeweils mit einem Kissen versehen, daneben je ein weiterer Stuhl, zum Ablegen der Unterlagen und Trinkbecher. Die Müdigkeit war weg, die Skepsis, ob sie vielleicht noch auf jemand anderes warteten, stieg. Ich fühlte mich sofort wohl, extrem aufgenommen und willkommen.

Der erste Seminartag lief dann auch extrem gut, jeder machte toll mit und es klappte wie am Schnürchen. Danach wollten wir in die Pizzeria zum essen gehen. Die gesamten Seminarteilnehmer kamen mit. Wie schön! Wir ließen den Tag gemütlich ausklingen. Um 20.30 Uhr merkte ich aber, dass es mit mir extrem bergab ging. Ich war total müde und erschöpft. Wir beendeten den Tag und ich ging mit meiner Seminarteilnehmerin Juliette zusammen zum Gasthof zurück. Sie kam von weiter her, war dort auch eingemietet und hatte das Zimmer genau neben mir. Ich schaffte es noch zu duschen, dann fiel ich aufs Bett und schlief sehr schnell ein. Um 3 Uhr nachts wurde mein Schlaf jedoch unterbrochen. Es schienen Gäste angekommen zu sein, denn eine Frau mit Stöckelschuhen machte die Gänge unsicher. Es klackte durchs ganze Haus, ich war wach. Drei Stunden kam ich nicht wieder zur Ruhe. Gedanken schwirrten mir im Kopf herum. So gegen 6 Uhr war ich dann wieder eingeschlafen und wachte dann gegen halb 8 wieder auf. Um 9 Uhr war ich mit meiner Zimmernachbarin zum Frühstück verabredet. In Ruhe fertig machen, frühstücken, dann wurden wir wieder abgeholt. Das "Büffet" war schon wieder aufgebaut, der Kaffee stand bereit. Ich wurde hier sowas von verwöhnt, unglaublich. Das war mir wirklich noch nie passiert. Es wurde warm, die Sonne schien durch die großen Fenster. Sofort standen zwei Personen auf, lüfteten und zogen die Vorhänge vor. Ich hatte immer noch ab und an das Gefühl, dass sie alle auf jemand anderes gewartet hatten, die Queen zum Beispiel. Es wurde sogar an eine Kamera mit Stativ gedacht, damit wir ein Gruppenfoto machen konnten. Wir lachten und hatten Spaß, alles war so gut durchgeplant, für mich kaum fassbar. Auch an diesem zweiten Tag lief das Seminar super. Die ersten emotionalen Tränen flossen, die Tierkommunikation fing an, ihre breiten Fächer auszubreiten. Es machte etwas mit den Teilnehmern. Dann war es schon Zeit zum Mittagessen. Alle machten und taten Hand in Hand, dann saßen wir zusammen um einen der großen Tische herum. Suppen, Salate, kleine Snacks mit Dips, es war für jeden etwas dabei. Wie im Restaurant. Danach wurde es aber Zeit, etwas an die frische Luft zu gehen, die Sonne schien auch so schön und es war warm. Wir gingen etwas spazieren. Ich war vollkommen erledigt. Die leichten Schrägungen waren für mich wie Berge. Irgendwie hielt ich jedoch durch. Danach ging das Seminar problemlos weiter. Die eigenen Tiere waren an der Reihe und wie gewohnt, war es spannend und emotional. Einfach schön. Mit Eifer waren alle dabei. Um circa 19 Uhr waren wir dann alle fix und fertig. Wir machten noch eine schöne Abschlussrunde, in der ich mich für das Mitmachen und das Vertrauen bedankte. Jeder bekam sein Zertifikat, ich ein Geschenk, ein Kochbuch und eine Spätzlereibe. Wir tranken dann noch einen Sekt. Oh bitte liebe Bayern, ich würde jetzt gerne monatlich ein Seminar bei Euch geben. :)

Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander, und ich wurde zurück in den Gasthof gebracht.

Am Montag lag wieder eine unruhige Nacht hinter mir, als Basti mich morgens um kurz nach 7 Uhr abholte. Es ging wieder zum Busbahnhof nach Ulm. Dort musste ich dann leider fast zwei Stunden warten, um dann gegen 11 Uhr schon ziemlich kaputt in Stuttgart anzukommen. Dort folgten dann weitere fünf Stunden Wartezeit. Der Flug hatte auch noch Verspätung. Ich hatte starke Kopfschmerzen und ein leichtes Übelkeitsgefühl. Das Starten und Landen machten dies nachher nicht besser. Der Pilot war nicht gerade der Beste, den ich bisher hatte. Eigentlich war ich ja nun wirklich flugfest, aber meine Übelkeit steigerte sich nach der Landung und ich wusste nicht, wie ich nach Hause kommen sollte. Stefan wartete schon in Hamburg am Flughafen. Leider war es Feierabendszeit und die Straßen waren voll. Die Kotztüte griffbereit saß ich vollkommen fertig im Auto. Gegen 19 Uhr waren wir dann zu Hause. Ich ging noch unter die Dusche, meldete Nina noch, dass ich angkommen war und schlief dann ein.

Es war sehr sehr anstrengend, aber ein so extrem wundervolles Seminarwochenende, wie ich es selten erlebt habe.

Liebe Nina, lieber Basti, liebe Stephanie, liebe Maria, liebe Juliette, liebe Bettina, liebe Rebekka, liebe Julia,

ich hatte das Gefühl, bei Freunden zu sein.

Danke Euch allen!

"Meine Schmetterlingsgruppe"